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(T)Raum nachhaltiger Transformation

WandelSpace Halle (Saale) - Wo transformative Projekte Gestalt annehmen


von Felix Groß


Ich möchte mit euch gern die Geschichte meiner Bachelorarbeit teilen. Gerne möchte ich das auch auf einer persönlichen Ebene tun.

Diese Arbeit war für mich nur ein Puzzlestück im Verlauf meiner ganz eigenen Transformation. Wohlgemerkt ein Puzzlestück, das mich durchaus auch hin und wieder zur Verzweiflung gebracht hat.


Warum der persönliche Ansatz?

Was mir am akademischen Rahmen nicht gefällt, ist die Vorstellung, man könne die Themen, um die es geht, über dünne Seiten Papier oder Whiteboards wirklich verstehen. Natürlich kann es sinnvoll sein, hier und dort Problemgehalte zu abstrahieren und allein mit dem Verstand anzugehen. Dabei möchte ich es allerdings nicht belassen. Ich habe erfahren, dass die Rolle meiner gestalterischen Seele in der Transformation von Welt nicht im Akademischen liegt. Und das gefällt mir.


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich schätze und bewundere sehr, was an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung geschieht. Und ich halte es für sehr wichtig. Mit der Entscheidung, meinen Abschluss per Quereinstieg im fünften Semester an dieser Hochschule gemacht zu haben, bin ich sehr zufrieden, denn es hat mir dabei geholfen, einen theoretischen Zugang zu meiner Arbeit vor Ort zu finden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema meiner Bachelorarbeit „Muster nachhaltiger Transformation am Beispiel Stadt Halle (Saale)“ hat mich meinem Umfeld hier nähergebracht. Auch hat es mich tiefer eintauchen lassen in die Prozesse vor Ort und meinen Blick auf Wandel geschärft. In meinen Augen entsteht echter Wandel nur in der Abkehr von alten Denk- und Handlungsweisen hin zu lebensdienlichen Mustern. Der WandelSpace wäre wohl auch ohne die Bachelorarbeit entstanden und trotzdem hat die intensive (auch theoretische) Auseinandersetzung mit nachhaltiger Transformation es zu einer Art echtem Forschungs-Labor werden lassen.


Entstanden ist im Grunde ein lebendiger TRaum.

Ein co-kreativer TRaum für transformative Projekte: Der „WandelSpace“.



Ich habe mir ein Stück FreiRaum geschaffen, über den ich auf meine Art und Weise für nachhaltige Transformation wirken kann. Hierüber einen Beitrag zum Wandel zu leisten und den Raum mit anderen Transformationsbegleiter*innen zu teilen, macht mich glücklich. Es fühlt sich nach meinem persönlichen Zugang zu Gestaltung von Mitwelt an.

In den Bezugsrahmen („Transformative Triade“ - S. 33 der BA) von Projekten, Commons sowie Institutionellem fließt nun ganz praktisch die Erfahrung des Entwicklungsgeflechtes, also aller mit dem WandelSpace verbundener Transformationsbegleiter*innen, mit ein.

Im Grunde wird hier auf eine gesellschaftliche Zustandsänderung abgezielt, ähnlich der Zielrichtung von Social Entrepreneurships, die „im Ziel aufgehen“. Der Lebensmittelretterladen, das Crumme Eck in Halle z. B. sieht sein Ziel erreicht, wenn es diesen Laden nicht mehr geben muss, das Wesen des Vorhabens sich also im erreichten Gesellschaftszustand auflöst. Erreicht wäre dieser Zustand, wenn Lebensmittel nicht mehr „gerettet“ werden müssten, da sich die Produktion, Lieferketten und/ oder “Fairteilung” vor Ort systematisch so verändert haben, dass Lebensmittelrettung im Idealfall obsolet würde.


Das Verständnis für den Bezugsrahmen verdanke ich der Bachelorarbeit. Das Mischen dieser theoretischen Erkenntnisse mit meinen persönlichen Erfahrungen, führte mich dazu, den WandelSpace zu initiieren. Zurzeit versuche ich mich im Strukturieren und Erproben dieses neugewonnenen FreiRaums sowie neuen Formaten und Projekten. Wir haben Ende letzten Jahres zum Beispiel das Projekt „GravityForFuture“ gestartet, in dem wir die Bewohner:innen eines Viertels in Halle nach ihren Wünschen und Träumen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Halle gefragt haben. Es wurden QR-Codes (auf Gehwegen und in den Läden im Viertel) genutzt, die auf ein digitales Whiteboard geführt haben. Darüber konnte an der Zukunfts-Vision mitgewirkt werden (per Schrift & Bild). Aufeinanderfolgende kleinere Events luden konkret Familien mit Kindern ein, um zum träumen zu inspirieren. Eine Gruppe von Graffiti-Künstler*innen eines Vereins in der Stadt hat dann die Eindrücke der Träume des Paulusviertels in ein großes Graffiti verkünstlert. Anschließend daran sind weitere Zukunfts-Visionen weiterer Viertel geplant, um hiermit evtl. eine Art Zukunftswerkstatt für Halle anzustoßen.

Uns beschäftigen viele Fragen rund um Potenzialentfaltung, kreative Prozesse und mögliche Wege/Räume hin zu einer nachhaltigen Transformation. Wieviel Struktur braucht es notwendiger Weise und wieviel dessen schränkt eine kreative und natürliche Entwicklung ein? Mir macht es großen Spaß, die Themen hier immer wieder neu zu betrachten und ungewöhnliche Wege zuzulassen, um auf Lösungen zu stoßen. Aktuelle Projekte mit anderen Transformationsbegleiter:innen und Initiativen über den WandelSpace und dem damit einhergehenden Beitrag für eine nachhaltige Transformation der Stadt Halle (und Umgebung) ist unter www.wandelspace.de einsehbar.

Aktuell entsteht über den Raum eine Art Lern- und Entwicklungsgeflecht von Menschen, die sich myzelartig zusammenfinden und in kräftigenden Begegnungen herausfinden, was genau sie eigentlich unter Transformation verstehen wollen. Darüber hinaus bildet sich ein Team, das sich der notwendigen Strukturbildung annehmen möchte. Bedeutet konkret, wir betten den WandelSpace gerade in einen Verein (WeltRaum e.V.) ein. Der sich daraus entwickelnde rechtliche Spielraum, soll das Lern-und Entwicklungsgeflecht dabei unterstützen, sich in vollen Zügen den Mustern für eine nachhaltige Transformation (in der Region) zu widmen. Das darf sich über frische Formate, kreative Ideen und ungewohnte Bahnen bewegen.



Wenn ihr in der Nähe seid, freue ich mich auf einen Besuch im WandelSpace zu Tee und Co!


Herzliche Grüße aus Halle,

Felix

 

Zur Reihe "Abschlussarbeiten"

In dieser Reihe veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge der Absolvent:innen der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Sie berichten an dieser Stelle über die Erkenntnisse und Erfahrungen beim Forschen für ihre Abschlussarbeiten. Felix hat seine Bachelorarbeit im September 2022 verteidigt. Sie wurde von Stephan Panther und Sebastian Möller betreut.


3 Comments


sebastian.moeller
Apr 07, 2023

Moin Felix,

deine transformative und experimentierfreudige Energie sind wirklich inspirierend. Ich finde es großartig, wie du dir die Bachelorarbeit zu einem Reflexionsrahmen für dein eigenes Tun gezimmert und auch dadurch gemerkt hast, welche Arbeits- und Gestaltungsform dir am meisten liegt. Du hast dir bewusst gemacht welche Grenzen des akademischen Arbeitens deine Kreativität einengen und hast einen sehr souveränen Umgang damit gefunden. Das ist ein tolles Beispiel für transformatives Lernen!


Durch deinen Einblick in den Wandelspace sind mir einige Parallelen zu den Transformation::Spaces an der Leuphana Universität klar geworden, an deren kollektiven Gestaltung ich seit einigen Wochen beteiligt bin. Räume und ihre Gestaltbarkeit sind ein echter Hebel für die Transformation. Hierzu wäre ein Erfahrungsaustausch bestimmt sehr spannend ....

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ui, dann müssen wir uns wohl beeilen! Hier gibt es ein paar Einblicke und das wahnsinnig toll gestaltete booklet für die Termine im Sommersemester: https://mezzanin.web.leuphana.de/


Vieles ist noch im Werden und das istwirklich ein sehr spannender Prozess des Commoning und der Raumaneignung

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