Vom Mythos der neutralen Wirtschaft

Warum die Verdrängung von Moraldiskussionen aus Wirtschaft und Ökonomie fatal ist


Von Markus Buckenmayer


In einem Interview mit der Zeitschrift “brand eins” im September 2021 vertritt der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe die These: “In der Wirtschaft geht es nicht um Moral, sondern um Bedürfnisbefriedigung.“ Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass diese Aussage historisch nicht haltbar ist. Adam Smith, der vielen als der Begründer der Wirtschaftswissenschaften gilt, war Moralphilosoph. Auch ihm folgende Ökonomen verstanden sich noch lange als Philosophen. Ich möchte mit diesem Text für eine Wiederaufnahme moralischer Diskussionen in Wirtschaft und Ökonomie eintreten. Hierzu werde ich einen Blick zurück in die moderne Ideengeschichte der Ökonomie werfen und anhand von drei Entwicklungen den Verlust der Moraldiskussion in der Ökonomie nacherzählen. Ich möchte zeigen, dass diese Entwicklung nicht die Folge eines „neutralen“ Fortschritts war, sondern aufgrund von persönlichen und politischen Interessen der Beteiligten forciert wurde. Gleichzeitig basierte die Entwicklung maßgeblich auf Werturteilen, welche nicht mit den Grundwerten liberaler Demokratien vereinbar sind.


Teil I: Wie moralische Diskussionen aus der Ökonomie verschwanden


1. Ziel und Zweck der Ökonomie verändert sich

Adam Smith (1723-1790) gilt vielen Ökonomen als der Begründer der modernen Ökonomie. Er nannte diese „Politische Ökonomie“ und gab der Disziplin zwei Ziele: Erstens die Menschen und zweitens den Staat mit ausreichend Einkommen zu versorgen (vgl. Smith 1786: 322). Letztlich ging es ihm um die Verbesserung der Lebensumstände (ebd. 75). Als Bewertungskriterien für eine solche Verbesserung verwendete Smith die Kriterien Freiheit (ebd.: 108) und Gerechtigkeit (ebd.: 75). Die „Politische Ökonomie“ war bei Smith Teil der moral philosophy. Über Wirtschaft zu streiten bedeutete damit, über Moral zu diskutieren.


Der englische Philosoph John Stuart Mill (1806-1873) trat für die strikte Trennung von Beschreibung und Bewertung ein, wobei für Mill nur die Beschreibung Teil der Wissenschaft war. Die Ökonomie als Wissenschaft könne somit keine Normen aufstellen, ihr Ziel sei lediglich das Vorhersagen menschlichen Handelns (vgl. Derpmann 2014: 24). Durch das Finden ökonomischer Gesetzmäßigkeiten soll sie der ökonomischen Praxis dienen und Handlungsempfehlungen zur Verwirklichung von politischen Zielen formulieren. Darüber, ob die von der ökonomischen Praxis vorgegebenen Ziele wünschenswert seien oder nicht, könne die Ökonomie jedoch nichts sagen (ebd.: 60ff).


Der französische Ökonom Léon Walras (1834-1910) trennte die Ökonomie in Wissenschaft (science), Praxis (arts) und Ethik (ethics) (vgl. Graupe 2020: 19f). Die Ökonomie verstanden als „reine Wissenschaft“ (pure science) habe nach Walras keinerlei Verpflichtung, für die Praxis nützliche Erkenntnisse zu liefern. Sie dürfe sich keinem Zweck unterordnen, auch nicht dem der bloßen Vorhersage. Stattdessen ginge es ausschließlich um das Auffinden “reiner wissenschaftlicher Wahrheit” (Walras 1954: 52). Walras begründete mit seinen Ausführungen einen neuen Strang der Ökonomie, genannt Neoklassik, in welchem die Disziplin der Ökonomie als Naturwissenschaft verstanden wurde. Deren Forschung verlief strikt getrennt von der ökonomischen Praxis. Moralische Urteilsdiskussionen und die Frage nach Realitätsbezug hatten keinen Platz (vgl. Graupe 2020: 14ff). Walras` Denken traf den Nerv der Zeit. Durch die vielen technischen Errungenschaften im 19. Jahrhundert genossen die Naturwissenschaften ein hohes Ansehen. Einige Wissenschaftler träumten von ähnlichen Durchbrüchen in den Sozialwissenschaften. Diese sollten durch Übertragung naturwissenschaftlicher Methoden und Prinzipien in die Sozialwissenschaften erreicht werden. Man erhoffte sich, die Vorhersagbarkeit menschlichen Handelns mit ähnlicher Präzision zu erreichen, wie dies der Physik bei der Bewegung von Körpern gelungen war.[1] Es war als Wissenschaftler dieser Zeit daher sehr verlockend, naturwissenschaftliche Methoden zu verwenden oder daran zu arbeiten, dass die eigene Disziplin als Naturwissenschaft verstanden wurde. Dies ist vermutlich einer der Gründe, weshalb die Neoklassik nur wenige Jahrzehnte später bereits die klar dominante Theorieschule in der Ökonomie war. Andere Theorieschule gerieten überwiegend in Vergessenheit. Diese Entwicklung hatte einen großen Anteil an der Verdrängung von Moraldiskussionen aus der Ökonomie. Moralische Überlegungen fanden in der von abstrakten Modellen dominierten und stark mathematisierten Neoklassik keinen Platz mehr (vgl. Graupe 2020: 40ff).


2. Das Menschenbild der Ökonomie wird verändert

Von Adam Smith im 18. Jahrhundert bis zur Neoklassik Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich das Menschenbild in der Ökonomie maßgeblich. Vereinfacht gesagt wurde der Handlungsspielraum, welcher dem einzelnen Menschen von der Ökonomie zugesprochen wurde, immer kleiner. Der Mensch bei Adam Smith zeichnete sich noch durch ein reiches Innenleben aus. Durch die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, sprach Smith dem Menschen ein moralisches Urteilsvermögen zu (vgl. Ötsch 2016: 1). Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Vorstellung der “sündigen Natur” des Menschen dominanter. Man glaubte, die meisten Menschen seien ihren Trieben machtlos ausgeliefert und müssten über Ge- und Verbote zu moralischem Verhalten erzogen werden.[2] John Stuart Mill definierte schließlich den Bereich des Ökonomischen über die zu Grunde liegende Motivation der betrachteten Handlungen: Ökonomisch seien nur die Handlungen, welche ausschließlich die Produktion von Wohlstand im Sinn hätten (vgl. Derpmann 2014: 60). Die Neoklassik behält die Fokussierung auf das Streben nach Reichtum bei. Dabei konzipiert sie den ökonomischen Akteur als kalkulierendes, nutzenmaximierendes Wesen (‘pleasure machine‘), welches ausgehend von festgelegten und unveränderlichen Präferenzen ausschließlich auf äußere Anreize reagiert. Platz für Leidenschaft, Selbstreflektion und moralisches Urteilsvermögen gibt es in dieser Konzeption des Menschen nicht. Entscheidend ist, dass dieses Modell nicht deshalb entstand, weil es die Neoklassiker für ein realistisches Menschenbild hielten, sondern vielmehr weil sie sich bereits auf Mathematik als die zu bevorzugende ökonomische Methode festgelegt hatten. Anders formuliert: Ökonomische Akteur:innen wurde nicht als „pleasure machine“ konzipiert, weil der Mensch aus Sicht der Neoklassiker so handelte, sondern damit in der Ökonomie gerechnet werden konnte. Im Hintergrund stand der Wunsch der Neoklassiker, als Naturwissenschaftler anerkannt zu werden, wofür die Verwendung von Mathematik als entscheidend erachtet wurde (vgl. Graupe 2020: 30). Im Großen und Ganzen wird die neoklassische Konzeption des ökonomischen Akteurs noch heute in den Modellen der modernen Ökonomie verwendet. Sie wird als “homo oeconomicus” bezeichnet und ist vielen Menschen auch außerhalb der Ökonomie bekannt. Viele Ökonom:innen werden nicht müde zu betonen, dass der homo oeconomicus “nur” ein Modell darstellt und hiermit keine Aussage über das tatsächliche Menschenbild getroffen wird. Streng genommen ist dies nicht falsch, es fehlt jedoch eine überzeugende Begründung warum ein Menschenbild, welches dem überwiegenden Teil der soziologischen Forschung klar widerspricht (vgl. Bregmann 2020: 19 ff) als Grundlage für die ökonomischen Modelle dienen soll. Noch fataler ist das Ignorieren der performativen Wirkung dieses Modells: Die Konzeption des Menschen als homo oeconomicus und die weite Verbreitung des Modells innerhalb der Ökonomie kann ähnlich wie bei einer selbsterfüllenden Prophezeiung dazu beitragen, dass sich Menschen tatsächlich egoistischer und weniger großzügig verhalten. Der Ökonom Robert Frank konnte in einer Studie aus dem Jahr 1990 dieses Verhalten unter Studierenden der Ökonomie nachweisen: Je länger seine Testpersonen Ökonomie studiert hatte, desto egoistischer wurden sie (vgl. ebd.: 35).

3. Die Armenfrage wird „gelöst“

Sehr lebensnah lässt sich der Verlust moralischer Argumentation aus der Ökonomie an der Armenfrage nachvollziehen. Adam Smith forderte auf Grundlage der Kriterien Freiheit und Gerechtigkeit einen existenzsichernden Lohn für die Arbeiter, die Beteiligung der Arbeiter an allgemeinen Wohlstandzuwächsen, sowie kostenlose Bildung für die Kinder der armen Bevölkerung. Linderung bzw. Abschaffung von Armut war für ihn selbstverständliches Ziel von Wirtschaft (vgl. Smith 1786: 75, 198, 322). Der englische Ökonom und anglikanischer Pfarrer Thomas Robert Malthus (1766-1834) lieferte hierzu einen wirkmächtigen Widerspruch. Malthus argumentierte, dass als Folge von Wohlstandszuwächsen in der Bevölkerung arme Menschen mehr Kinder bekommen würden, wodurch wiederum mehr Menschen versorgt werden müssten. Die Zuwächse in der landwirtschaftlichen Produktion könnten jedoch langfristig niemals mit dem Bevölkerungswachstum einer wohlhabender werdenden Gesellschaft mithalten. Malthus schlussfolgerte, dass jegliche Gesetze, die das Ziel hätten, Armut zu bekämpfen, sinnlos seien. Der einzige Ausweg sei die sexuelle Enthaltsamkeit der armen Bevölkerung. Tod durch Hungersnot sah er als “natürliche Regulierung” von Überbevölkerung bzw. als ”göttliche Strafe“ für ein sündiges Leben. Eine solche Sichtweise wurde bei Intellektuellen dieser Zeit immer populärer und trug mutmaßlich zur fast vollständigen Abschaffung der Armenunterstützung im 19. Jahrhundert in England bei (vgl. Bregman 2017). Malthus‘ Sichtweise auf Armut hatte nicht nur große politische Auswirkungen, sondern war auch für den Verlauf der ökonomischen Theorie von großer Bedeutung: Wer die Existenz von Armut als „natürlich“ ansieht und primär als Folge mangelnder Tugendhaftigkeit armer Menschen begreift, versteht Armut auch nicht als gesellschaftliches Problem, welches es zu beforschen gilt. Folgerichtig wandte sich die Ökonomie ab Mitte des 19. Jahrhunderts tendenziell von der Frage der Armutsbekämpfung ab und fokussierte sich stattdessen auf die Frage der Mehrung von Reichtum. Gerechtigkeitsfragen wurden in den Bereich der Politik verbannt.


Anfang des 20. Jahrhunderts argumentiert der US-Amerikaner John Bates Clark (1847-1938) schließlich für das Vorhandensein eines natürlichen Gesetzes der Verteilung, welches bei ungehinderten Marktkräften dafür sorge, dass die Arbeiter automatisch den Anteil an Wohlstand bekämen, welchen sie zur Produktion dieses Wohlstandes beitrugen. Man kann diese Position als Widerspruch zu Karl Marx‘ (1818-1883) Theorie der Arbeiterausbeutung durch die Kapitalisten verstehen (vgl. Clark 1908: 7ff). Im Hintergrund von Clarks Argumentation steht eine spezifische Vorstellung von „Leistungsgerechtigkeit“, deren entscheidendes Kriterium die marktvermittelte Produktivität eines Menschen ist. Einfacher ausgedrückt bedeutet dies: Wer an der Herstellung eines Produkts für einen lukrativen Markt beteiligt ist, „leistet“ viel. Wer sich hingegen um die weniger lukrativen oder nicht marktvermittelten Produkte oder Dienstleistungen kümmert, „leistet“ wenig oder nichts (vollkommen unabhängig davon, wie gesellschaftlich wichtig diese Tätigkeiten sind). Clark hält ein solches Verteilungsgesetzt für notwendig, um die Marktwirtschaft legitimieren zu können (ebd.). Gleichzeitig ist er sich durchaus bewusst, dass es auch andere Vorstellungen von Gerechtigkeit geben kann. Welche Art von Gerechtigkeit gesellschaftlich am wünschenswertesten ist, ist für ihn jedoch eine Frage, der „reinen Ethik“ und sei folglich nichts, womit sich die Ökonomie zu beschäftigen habe (ebd.).


Die Armenfrage wird vom dominanten Strang der Ökonomie somit letztlich durch Nichtbeachtung “gelöst”: Im ersten Schritt wendet sich die ökonomische Theorie von der Beforschung von Armut ab, da Armut zum einen als individuelles Versagen angesehen wurde und zum anderen sich die Überzeugung durchsetzte, dass Armut „naturgesetzlich“ sei und daher nicht abgeschafft werden könne. In einem zweiten Schritt legitimierte die ökonomische Theorie die jeweils aktuelle Besitz- und Einkommensverteilung auf Basis eines “natürlichen” Gesetzes der Verteilung, welches automatisch jeder Klasse den Teil des Wohlstands zukommen lässt, welchen sie zu dessen Produktion beiträgt. Die Diskussion, über die dieser Legitimation zu Grunde liegenden Gerechtigkeitsvorstellung wurde in den außerökonomischen Bereich verdrängt. Innerhalb der Ökonomie konnte es nur noch darum gehen, ob das von Clark formulierte Gesetz der Verteilung existierte oder nicht.


Der historische Exkurs zeigt, dass die Trennung von Ökonomie und moralischen Überlegungen bei weitem nicht so selbstverständlich ist, wie dies heute oft dargestellt wird. Sie basiert maßgeblich auf dem Wunsch früherer Ökonomen als Naturwissenschaftler zu gelten, auf einem einseitigen und mehrfach widerlegten Menschenbild (vgl. Bregmann 2020: 19ff), sowie auf einer pauschalen Beurteilung von Armut als Ausdruck individuellen Scheiterns. Der Blick in die Geschichte verdeutlicht zudem, dass es eine „neutrale Wirtschaft“ frei von moralischen Abwägungen nicht geben kann. Wirtschaft passiert immer im Rahmen eines moralischen Gerüsts. Für die Gesellschaften des Mittelalters war die Leibeigenschaft normal und legitim, wohingegen das Streben nach Reichtum verpönt war. Unsere heutige Gesellschaft bewertet diese beiden Punkte genau umgekehrt. Beide kommen jedoch aufgrund von moralischen Werturteilen zu diesen Schlüssen und nicht aufgrund von neutralen, ökonomischen Gesetzen, welche für alle Menschen und Gesellschaften gleichermaßen existieren.



Teil II: Warum der Glaube an eine neutrale Wirtschaft fatal ist


Die Diskussion, ob Wirtschaft neutral sein kann, ist keine rein theoretische Frage. Der Glaube an die Neutralität von Wirtschaft hat handfeste und mitunter fatale Auswirkungen. Er führt dazu, dass in einem der mächtigsten und einflussreichsten Bereiche moderner Gesellschaften moralische Überlegungen keinen Platz haben und nicht selten belächelt oder abgewertet werden. Durch die Vorstellung einer „unsichtbaren Hand des Marktes“ wird zusätzlich davon ausgegangen, dass das individuelle Streben nach Reichtum ganz nebenbei positive Auswirkungen für die Gesellschaft habe. Die angeblich wertneutrale Profitorientierung wird somit sogar zur Tugend erklärt. Eine solche Vorstellung zieht sich in leicht unterschiedlichen Ausprägungen durch fast alle wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge. Die Folge ist, dass die überwiegende Zahl der Menschen, die heute wirtschaftliche Entscheidungen treffen, gelernt haben, dass diese mit Moral nichts zu tun hätten, ja, dass es sogar gesellschaftlich besser ist, mindestens aber von ihnen erwartet würde, moralische Überlegungen in ihren Entscheidungen hintenanzustellen. Gleichzeitig verstößt der Bereich der Wirtschaft immer wieder massiv gegen unsere heutigen Moralvorstellungen und zerstört systematisch die Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren. Wer also wie Werner Plumpe sagt: „Bei Wirtschaft gehe es nicht um Moral, sondern um Bedürfnisbefriedigung“, sagt damit eigentlich: „Effiziente Produktion und materieller Wohlstand für Menschen mit Kaufkraft ist wichtiger als menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Tierwohl und die Verhinderung ökologischer Zerstörung“.


Wirtschaftliche Entscheidungen müssen als wertebasiert verstanden werden

Stellen wir uns nun vor, dieselben Menschen hätten eine umfassende Ausbildung in Ethik und würden ihre Entscheidungen im Berufsleben ganz selbstverständlich als wertebasiert verstehen. Wie viel menschenwürdiger könnten die Lieferketten sein? Wie viel gerechter der internationale Handel? Und wie viel ökologischer die Produktion? Ich möchte hiermit nicht sagen, dass es für diese Probleme keine gesetzlichen Regelungen braucht. Gesetzliche Vorgaben, welche die gesellschaftlichen Werte im Zweifel auch gegen wirtschaftliche Interessen durchsetzen und individuelle Entscheidungsträger:innen entlasten, sind richtig und wichtig. Sie können jedoch oft nicht alles regeln und es besteht die Gefahr von Fehlanreizen (zum Beispiel kann eine CO2-Steuer sozial sehr ungerecht sein und zu einer zu starken Fokussierung auf Emissionsreduktion führen, welche andere Umweltprobleme vergisst). Gelingt es hingegen, werteorientiertes Handeln und ganzheitliches Denken bei den wirtschaftlichen Entscheidungsträger:innen wie selbstverständlich zu etablieren, wird die Wirkung deutlich zielgerichteter sein. Unternehmer:innen und Manager:innen würden dann mit dem gleichen Eifer, mit dem sie heute meist eine Umsatz- oder Gewinnsteigerung verfolgen, versuchen, die ökologischen Auswirkungen ihrer Tätigkeit zu verringern oder die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern zu verbessern. Das Unternehmen profitabel zu halten, wäre dann nur noch die Basis, also die notwendige Vorrausetzung, jedoch nicht der Zweck unternehmerischer Tätigkeit. Das Problem ist nicht, dass es solche Menschen nicht gibt. Das Problem ist, dass wir in Bildung, Politik und Unternehmen ein Verständnis von Wirtschaft kultiviert haben, dass diese Menschen zu Außenseiter:innen macht. Sie benötigen daher eine große Portion Mut, Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft, sowie häufig eine privilegierte Herkunft, um auf diese Weise beruflich tätig zu sein.


 

[1] Exemplarisch hierfür steht folgendes Zitat von Francis Y. Edgeworth (1845-1926): “’Mécanique Sociale' may one day take her place along with ' Mécanique Celeste,' throned each upon the double-sided height of one maximum principle: the supreme pinnacle of moral as of physical science. As the movements of each particle, constrained or loose, in a material cosmos are continually subordinated to one maximum sum-total of accumulated energy, so the movements of each soul, whether selfishly isolated or linked sympathetically, may continually be realizing the maximum energy of pleasure, (…). The invisible energy of electricity is grasped by the marvelous methods of Lagrange; the invisible energy of pleasure may admit of a similar handling.” (Edgeworth F. Y., Mathematical Psychics. An Essay on the Application of Mathematics to the Moral Sciences, 1881, S. 12-13, abgerufen unter: https://socialsciences.mcmaster.ca/econ/ugcm/3ll3/edgeworth/mathpsychics.pdf ; Zugriff 22.03.22)


[2] Exemplarisch wären hierfür die Arbeiten von Joseph Townsend und Thomas Malthus zu nennen. (vgl. Bregman, R. (2017) , Utopia for realists, Bloomsbury, London, S. 84.)

 

Literatur